Kunstgeschichte: Kunst-Epochen und Kunst-Stil

Im Bereich Kunstgeschichte wird die geschichtliche Entwicklung der bildenen Kunst betrachtet, also die Baukunst/ Architektur, Plastik/ Bildhauerkunst, Malerei (womit auch die Obkjektkunst, Collagen u.ä. erfasst sind) und die Fotografie. Kunstwerke werden durch formale und inhaltliche Beschreibung, Deutung und Einordnung zueinander in Beziehung gesetzt, auch in Beziehung eines bestimmten historischen Zeitabschnittes. Daraus entsteht ein Zuordungssystem, aus dem die unterschiedlichen Epochen hervorgehen.

Eine Epoche ist trotz weitere Merkmale, wie religiöse, gesellschaftliche und kulturelle Gemeinsamkeiten in einem bestimmten Zeitabschnitt, schwer zu definieren. Einzelne Epochen können je nach Region unterschiedlich lang, im historischen Zeitabschnitt unterschiedlich angesiedelt sein und verschiedene Ausformungen haben: So unterscheidet sich die portugiesische Gotik in ihrer Ausführung stark von der deutschen Gotik. Die chronologische Zuordnung eines erstmal erfassten Epochenstils und die Varianz im regionalen Auftretten läßt sich an der Renaissance deutlich machen: In Frankreich sieht man den Beginn der Renaissance um ca. 1450, in Italien (Florenz) um ca. 1400, im italienischen Umbrien und der südlichen Toskana um ca. 1440, im deutschen Nürnberg um 1480 und im deutschen Würzburg um 1490.

Eine solche Datierung wird erschwert durch teilweise langen Wandlungsphasen die eine Epoche durchläuft, in denen sich die gewohnte Stilform langsam ändert, bis sie sich soweit geändert hat, dass eine Einordnung in den bisherigen Epochenstil nicht mehr möglich und sinnvoll ist. Würden in einer Epoche zu unterschiedliche Stilformen zusammengefasst, könnte das dazu führen, dass das Ordnungssystem nicht mehr funktioniert aufgrund zu weit gefasster Definition Der gesellschaftliche Zusammenhang, indem ein Künstler steht, wirkt sich auf seine Arbeitsweise ebenso aus, wie die ihm zur Verfügung stehen den technischen Mittel.

Für die kunstgeschichtliche Betrachtung stellt die Epoche oder der Stil eine allgemeine Kategorisierung der Vielzahl an künstlerischen Aktivitäten innerhalb des zeitlichen Zusammenhanges dar. Der Stil, von “Stilus”, stammt begrifflich aus dem lateinischen und bedeutet Schreibstift. Ein Schreibstift wird durch den individuellen Gebrauch zu einem persönlichkeitsabhängigen Ausdrucksmittel durch eine besondere, die individuelle, geistige Auffassung oder Haltung. Ein deutlicher Unterschied in der Haltung macht sich z.B. in der Nutzung der Can und der Wand zum Graffiti und der Nutzung des Pinsels und Ölfarbe und Leinwand zum Ölbild bemerkbar. Also bedeutet in der Kunst auch der genutzte Stil der Ausdruck einer persönlichen Haltung oder Auffassung. Für Kunsthistoriker war das Ordnungssystem “Epoche” lange Zeit eine Einteilung, bei der Besonderheiten oft unbeachtet bleiben mußten.

Dieses System wird auch deswegen heute nicht mehr von allen Kunsthistorikern vertreten. Der gesellschaftliche Zusammenhang (dazu gehört zB. die Gesellschaftsform, die Haltung der Gesellschaft) indem ein Künstler steht, wirkt sich auf seine Arbeitsweise ebenso aus, wie die ihm zur Verfügung stehen den technischen Mittel. Technische MIttel unterliegen dem gleichen Entwicklungsdruck wie das gesellschaftliche Umfeld eines Künstlers.

Epochenbezeichnungen sind häufig abfällige Bewertungen der nicht mehr aktuellen Kunstrichtung durch nachfolgenden Generationen, so wurde zb Gotik als “Barbarenkunst” der Goten gesehn und im 16. Jhd so bezeichnet. Epochen werden seit dem 19.Jhd. in Früh-, Hoch- Spätphasen unterteilt. Mit den im 20 Jhd auftretenden umfangreichen künstlerischen Strömungen und der Veränderung der Blickweise auf überzeitliche Phänomene tritt die Epocheneinteilung zurück.