Duchamp, Marcel
Marcel Duchamp wurde am 28.Juli 1887 inBlainville-Crevongeboren und verstarb am 2.Oktober 1968 in Neuuilly-sur-Seine. Mit bürgerlichem Namen hieß er Henri-Robert-Marcel Duchamp. Als französischer Maler und Objektkünstler ist er mit Mitbegründer der Concept Art.Mit 15 Jahren begann er zu Malen. Zunächst in der Stilrichtung des Impressionismuses. Zwar war sein Vater Notar, seine Geschwister aber hatten eine ebenfalls stark ausgeprägte künstlerische Neigung. Raymond Duchamp-Villon betätigte sich als kubistischer Bildhauer, Gaston Duchamp wurde unter dem Namen Jaques Villon, wie auch seine Schwester Suzanne Duchamp als Maler, bzw. Malerin bekannt. 1904 begann seine Ausbildung an der Academie Julian in Paris, wo er ein Jahr lang an seinen impressionistischen Stil weiterarbeitete.
1912 schuf er im kubistischen Stil das Gemälde “Akt, eine Treppe herabsteigend”. Marcel Duchamp war mitglied in der Section d´Or (frz. “Goldener Schnitt”), deren Mitglieder vom Kubismus beeinflußt waren, aber in ihren Werken zu extremeren und stärkeren Farbgebung neigten und die die Wirksamkeit des “Goldenen Schnittes” in seiner Harmonie und Ästhetik wissenschaftlich zu begründen versuchten.
Noch 1912 überdenkt Duchamp seine Einstellungen während eines längeren Aufenthalts in München, bei dem er sich stark zurückzieht und beginnt mit einer Skulptur in Form von Konzeptionspapieren:
Mit seinem Werk “Die Jungvermählte wird von ihren Junggesellen entkleidet” (oder: “Grosses Glass”) (1915) macht Duchamp zum ersten Mal von einem Gedanken gebrauch, der später in die “Concept Art” einfließt. Bei “Grosses Glass” erklärt der Künstler, dass die umfangreichen Erläuterungen und Ideen, die Konzeptionspapiere, nicht bloße Worte seien, sondern Bestandteil des Werkes.
Im Rahmen dessen beginnt er, die herkömmlichen Begriffe von Kunst redikal zu hinterfragen: 1912 kauft Duchamp einen eisernen Flaschentrockner, signiert ihn und erklärt den Kaufvorgang zum Kunstwerk. Damit löst Duchamp einen Kunstskandal aus.
Damit schuff er das “Readymade” aus dem “objet trouve” (frz. “gefundener Gegenstand” -> ein Kunstgegenstadn, der aus gefundenen Alltagsgegenständen oder Abfall komplett oder durch ebendiese teilweise erstellt wird). Der Begriff Ready-made wurde von Duchamp selbst gewählt. Eigentlich bedeutet Ready-made “Fertigware”: Ein Produkt der Massenindustrie, einem Fließbandprodukt, das aus einer Menge gleichförmiger Einzelstücke besteht und dem individuell geformten handwerklich hergestellten Erzeugnis entgegensteht. Es ist ein Produkt ohne designerischen Anspruch, ein rein funktioneller Alltagsgegenstand, dessen reiner Wert aus dem Gebrauch entsteht. Ein solcher Gebrauchsgegenstand stellt aus dieser Sicht dadurch einen wertlosen Verbrauchsgegenstand dar, dessen Wert erst durch Duchamps Signatur und erklärung zur Kunst Neubewertet werden konnte.
Als “Richard Mott”, in Anlehnung an die Sanitärfirma J.L.Mutt Iron Works reichte Duchamp 1917 ein Urinal zur Jahresausstellung der Society of Independent Artists in New York ein. Duchamp gab dem Urinal den Titel “Fountain”. Er gehört selbst zu der Jury der Society und wollte mit dieser Einreichung einen Impuls geben, wohlwissend, dass die Einreichung ein klarer Verstoß gegen die Konvention war. Nach heftigen Diskussionen, die mit der Zurückweisung des Werkes (oder, aus Sicht der Jury-Mehrheit: die Zurückweisueng des Urinals) endete, tart Duchamp aus der Jury aus. Von dem Objekt ist nur eine Fotographie erhalten geblieben. Durch die Zurückweisung kam “Fountain” nicht zur Ausstellung, wurde aber zu einem Massenereignis. Es wurde über ein Kunstwerk gesprochen, diskutiert und bewertet, das nicht zu sehen war. Wohl aber die Absicht des Künstlers war in aller Munde. Dadurch wurde “Fountain” zu einem Werk des Ready.made, sondern auch der Concept-Art.
Ab 1923 entwickelte Duchamp seine Ready-mades zur Gegenkunst. Er gab die Malerei auf und beklagte die “Sinnlosigkeit” der herkömmlichen Kunst. Die Abhängigkeit des Künstlers von der Gesellschaft wurde von ihm kritisiert. Mehr und mehr verlagerten sich seine künstlerischen Aktivitäten in den theoretischen, konzeptionellen Bereich und drängte immer mehr darauf, die konventionelle Form der Kunst zu überdenken und gilt daher als Inspiration für Jasper Jones und Robert Rauschenberg - und damit als Pate der modernen Kunst.
Das Fehlen einer gesellschaftlichen Zweckbestimmung beim Schachspiel führte in dazu, sich ab 1928 intensiv mit Schach zu beschäftigen, und das soweit, dass er 1924, ´28, ´30, ´31, und 1933 an den Schacholympiaden teilnahm. Aus dieser Auseinandersetzung folgte die Abhandlung über Bauernendspiele “Opposition- und Schwesterfeld” und die Einbeziehung des Schachs in die Kunst: Seine Aufzeichnungen der Partie gegen Savielly Tartakower wurden zu “Chess Score” 1965 und 1968 fand zusammen mit John Cage die Performance “Reunion” statt, bei der eine Partie Schach auf einem sensorischen Feld gespielt wurde, so dass mit jedem Zug eine Tonfolge zu hören war.